E-Occasion kaufen – Batterie, Reichweite und Laden richtig beurteilen
Worauf es beim gebrauchten Elektroauto ankommt: Batteriezustand, echte Reichweite, Ladeleistung und die Frage nach dem Zuhause-Laden.
Gebrauchte Elektroautos sind oft deutlich günstiger als ihr Neupreis – und die Technik altert anders als beim Verbrenner: kaum Verschleissteile am Antrieb, dafür steht und fällt der Wert mit der Batterie.
Die Batterie: das halbe Auto
State of Health (SoH): Der Gesundheitszustand der Batterie in Prozent der ursprünglichen Kapazität. Gute E-Occasionen liegen nach 4–5 Jahren typisch bei 88–95 %. Frag aktiv nach einem Batteriezertifikat (z. B. vom Hersteller-Service oder einem unabhängigen Test) – seriöse Verkäufer haben eines oder lassen eines erstellen.
Garantie: Die meisten Hersteller garantieren 8 Jahre oder 160'000 km auf die Batterie (meist bis 70 % Restkapazität). Prüfe, wie viel davon übrig ist und ob die Garantie an Servicebedingungen geknüpft ist.
Ladehistorie: Häufiges Schnellladen auf 100 % stresst Zellen stärker als sanftes AC-Laden. Ein Blick ins Bordmenü (viele Autos zeigen Ladestatistiken) oder die ehrliche Antwort des Verkäufers hilft bei der Einordnung.
Reichweite realistisch rechnen
Die WLTP-Angabe ist ein Laborwert. Praxisregel: Sommer ~85 %, Winter 65–75 % der Papier-Reichweite – Heizung ist der grösste Posten. Rechne mit deinem Alltag: Pendelstrecke, Wochenendfahrten, längster regelmässiger Trip. Bei der Probefahrt: Verbrauchsanzeige zurücksetzen und deine typische Strecke fahren – das sagt mehr als jede Broschüre.
Laden: die wichtigste Frage stellst du dir selbst
- Zuhause laden möglich? Eigene Wallbox oder Ladestation in der Tiefgarage macht das E-Auto günstig und alltagstauglich. Als Mieter: Zustimmung der Verwaltung vorher klären.
- AC-Ladeleistung (11 kW ist Standard, manche ältere Modelle nur 3.7–7.4 kW – über Nacht trotzdem okay, unterwegs mühsam).
- DC-Schnellladen: Maximale Ladeleistung UND Ladekurve zählen – manche Modelle halten hohe Leistung nur kurz. Fürs Langstreckenprofil relevant, für Pendler kaum.
- Anschlüsse: CCS ist in Europa Standard; bei älteren Modellen mit CHAdeMO (z. B. frühe Nissan Leaf) wird das öffentliche Laden zunehmend schwieriger.
Probefahrt-Checkliste E-Auto
- Rekuperation testen (verschiedene Stufen, gleichmässiges Verzögern?)
- Verbrauchsanzeige auf deiner Referenzstrecke beobachten
- Ladeklappe, Ladekabel (Typ 2, ggf. Schuko-Notladekabel) vollständig?
- Software/Infotainment: Updates möglich? Konto-Übertragung geklärt?
- Bei DC-Lader in der Nähe: einmal live schnellladen – erreicht das Auto plausible Leistung?
Kostenbild: einfacher als beim Verbrenner
Keine Ölwechsel, kaum Bremsenverschleiss (Rekuperation), tiefere Servicekosten – dafür je nach Kanton unterschiedliche Motorfahrzeugsteuern und die Frage der Ladekosten (zu Hause meist 20–30 Rp./kWh, unterwegs teils über 60 Rp./kWh). Unter dem Strich fahren viele E-Occasionen günstiger als vergleichbare Benziner – wenn Reichweite und Lademöglichkeit zum Alltag passen.
Bereit für die Suche?